Donnerstag, 8. August 2013

Wenn du nichts schreiben kannst, schreib darüber

Seit einem guten Jahr reiße ich mich beim Schreiben zusammen. Das heißt, ich konzentriere mich auf ein Projekt und ziehe es dann auch durch. Ergebnis? Drei neue Romane mit insgesamt über einer Million Zeichen plus ein überarbeiteter Roman mit insgesamt auch noch mal knapp 300k.
Und seit ein paar Wochen ist der Wurm drin.

Bis vor ein paar Monaten war Schreiben eine Nebentätigkeit für mich. Kein reines Hobby oder nur etwas zur Entspannung. Ich habe schließlich schon mal ein paar Jahre meines Lebens mit Schreiben meinen Unterhalt verdient. Also möchte ich gerne wieder dahin kommen.

Nur haben mein Verlag story2go und meine Dienstleistung eBook-Manufaktur so viel Zeit beansprucht, dass wenig davon für eigene kreative Unternehmungen blieb. Zudem haben beide meinen Lebensunterhalt so gut abgesichert, dass ich nicht schreiben "musste", um damit Geld zu verdienen.
Das hat sich seit einem Vierteljahr doch etwas verschoben. Der Verlag hat schon bessere Tage erlebt, und beim eBook-Konvertieren suchen sich viele Kunden inzwischen Dienstleister, die alles anbieten - von der Erstellung über den Vertrieb bis zur Abrechnung - oder es selbst versuchen, um Kosten zu sparen. Das ist nachvollziehbar, und ich helfe ihnen auch dabei (so bin ich halt, was soll ich machen?). Aber man merkt es in der Kasse.

Also lag es auf der Hand, mich wieder mehr aufs Schreiben zu konzentrieren (und ein paar Cover für andere zu entwerfen).
Und damit verknotete sich alles. Denn nun dreht sich alles um "Brottitel" und "Wunschtitel".

Brottitel sind solche, bei denen man sich aufgrund des Genres oder der Umsetzung bessere Chancen erhofft. Vielleicht sogar die Chance, einen bescheidenen Bestseller zu landen.
Wunschtitel sind solche, die man schreiben möchte. Ohne Rücksicht darauf, wie populär das Genre gerade ist. Meine Dschungelserie "Talon" ist das beste Beispiel dafür. Es gibt außer mir niemanden (den ich kenne), der aktuell Dschungelabenteuer schreiben würde. Das ist ein Nischenthema, bei dem man sich keine großen Chancen auf Verkäufe ausrechnen darf. Vor allem, wenn man sie wie ich vom Fokus her tendenziell eher auf ein männliches Publikum ausrichtet.
Sie hat ihre Fans, und das freut mich unglaublich. Aber ginge es mir nur ums Geld, dürfte ich sie nicht fortsetzen.

Autoren, bei denen die beiden Begriffe dasselbe bedeuten, müssen sich mit dieser Frage nicht herumschlagen.
Wer gerne knifflige Krimis, deftige Thriller, noch deftigere Erotic Romance oder lustig-lockere Chick Lit schreibt, wird kaum in solche Gewissensnöte geraten.
Zudem habe ich mich noch nie auf ein Genre konzentrieren können. Konzentrieren wollen. Space Opera? Gerne. Harte SF? Mmmh, Technik, aber, doch, klar. Sword and Sorcery? Natürlich. Science Fantasy? Ah, total veraltet, aber mein Lieblingskind.

Stellt sich also die Frage "Was bitte schreibe ich?".

Was ich - gerade mit dem Durchhänger in den letzten Wochen - für mich als Autor gelernt habe: ich benötige ein vernünftiges Exposé, um mit dem Schreiben anzufangen.
Das Drehbuch rund um die Geschichte muss im Kopf eigentlich schon vorgeschrieben sein. Ohne dass ich mich dabei sklavisch an jedes vorgegebene Detail halte. Oder das Exposé länger als eine A4-Seite sein muss. Es sollte aber die Idee vernünftig umreißen. Anfang, Mittelteil, Ende. Und Schlüsselszenen.
Die besten Exposés sind dann solche, bei denen ich schon Sätze niederschreibe, die mir beim Ausarbeiten der Idee durch den Kopf gehen. Um diese feststehenden Sätze knüpfe ich dann das Netz aus Handlungen. Die letzten zwei Sätze des ersten Deirdre-Romans (noch in Bearbeitung) z.B. standen schon seit September 2012 fest.

Das Exposé steht und fällt aber mit der Bereitschaft, es überhaupt zu schreiben.
Im Augenblick konkurrieren verschiedene Ideen in mir um meine Aufmerksamkeit. Manche zeigen auf den Terminkalender, mit einem bedeutungsvollen "Band zwo steht an, mach hinne!". Andere verweisen auf unsere langjährige Partnerschaft "Aber du wolltest mich doch endlich mal schreiben!". Und andere versuchen es plump, aber nicht ganz uneffektiv, mit "Nimm mich! Ich bringe dir Geld."

Da steht man dann als Autor. Wie vor einem Schreibtisch unerledigter Arbeit.
Um welche kümmert man sich zuerst? Soll man unvernünftig sein und das schreiben, was einen reizt. Oder das, was einen zwar auch reizt (sonst könnte ich es gar nicht schreiben), aber viiiielleicht nicht ganz so. Es verspricht nur etwas mehr kommerziellen Erfolg.

Mich dazu zwingen, eine Idee herauszugreifen und diese jetzt durchzuziehen, das entspricht mir nicht. Das hat bei mir noch nie funktioniert. Eine der Ideen muss plötzlich herausragen aus diesem Stapel und mich überzeugen, genau diese eine jetzt anzufangen.
Wäre ich beim Tanzen, würde ich sagen, ich warte auf Damenwahl ...

Muse, ein C-Dur bitte. ^^

1 Kommentar:

  1. *schokolade reich und auf die schulter klopf*
    Ich komme vom andren Ende.
    Aus der üblichen 'normalen' Arbeit heraus, seit Ende letzten Jahres selbständig und habe immer noch nicht den Dreh raus, mich so richtig-richtig zu organisieren. Oder das Schreiben zu einer wirklich täglichen Sache zu machen.
    Jedem sein Dilemma. ;)

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