Dienstag, 20. August 2013

Wenn mal wieder gar nichts läuft - was tun gegen die Schreibblockade?

Eigentlich wollte ich schon längst am nächsten Projekt sitzen. Nachdem ich meinen letzten Roman Anfang Juli abgeschlossen hatte, wollte ich mich voller Eifer direkt an den nächsten machen.
Da mir gerade viele Ideen - und das noch bunt durch alle Genres hindurch - durch den Kopf gehen, hatte ich mich erst einmal hingesetzt und alles aufgeschrieben.

Das ist für mich eine der effektivsten Möglichkeiten, den Kopf freizubekommen. Ideen aufzuschreiben.
Dann sind sie aus dem Kopf raus, der Geist ist quasi aus der Flasche. Und es ist Platz für einen neuen. Vor allem bekomme ich beim Aufschreiben ein Gespür dafür, welche Idee mir momentan mehr liegt. Und welche vielleicht noch etwas ruhen darf.

Damit hatte ich meine Favoriten - und seitdem "hakt" es.

Projekte muss man nüchtern angehen. Hängt man in einem fest, sollte man ein neues anfangen. Der Spaß, eine Idee umzusetzen, lässt sich nicht erzwingen. Schwierig wird es allerdings, wenn es bei keinem Projekt so wirklich klappen will. Sprich: wenn gar nichts mehr geht.

Mein aktuelles Dilemma ist: es ist nicht so, dass ich mich nicht auf eine Idee konzentrieren könnte; ich kann mich nicht auf das Schreiben an sich konzentrieren.
Das ist umso frustrierender, wenn ich weiß, wie aktiv ich Februar/März und Juni/Juli war. Es geht dabei nicht darum, ein Plansoll zu erfüllen. So und so viele Zeichen. Aber es macht einfach mehr Spaß, zu schreiben, als nicht zu schreiben.

Nachdem dieser Durchhänger nun schon ein paar Wochen anhält, muss ich etwas dagegen tun (wie z.B. diesen Blogeintrag schreiben ^^). Und nach einem Lösungsansatz suchen.

Den ersten Tipp hatte ich ja bereits oben genannt:

* Klappt ein Projekt nicht, arbeite am nächsten. Vielleicht liegt es wirklich nur an der einen Idee, die noch nicht gründlich durchdacht ist und einen blockiert.
Ideen sind wie Wein. Gute reifen, wenn man sie lagert. Schlechte werden schal, und man kann sie bedenkenlos wegschmeißen.

Aber das löst den Knoten nicht, wenn gar nichts klappt. Was also tun?

* Achte auf deinen inneren Rhythmus. Meinen vorletzten Roman habe ich im März abgeschlossen, meinen letzten im Juni angefangen. Dazwischen lagen also zwei Monate.
Ich weiß, dass ich nach jedem Projekt eine Phase zur Regeneration brauche. Um den "kreativen Akku" aufzuladen. Das benötigt seine Zeit. Und selbst wenn ich voller Tatendrang bin offensichtlich acht Wochen.
Natürlich ärgert das. Ich wäre gerne produktiver. Aber "ich muss!" ist so ziemlich der falscheste Ansatz, um kreativ zu sein. Wenn es ein "lasst mich schreiben!" ist, dann dürften die Batterien wieder voll sein.
Darauf kann man warten, oder man kann es proaktiv (ich liebe dieses Wort) unterstützen:

* Abschalten. Im besten Fall verreisen. Es genügen auch schon ein paar Tage. Nichts belebt mehr als neue Eindrücke, ein frischer Wind um die Nase. Das heißt nicht, dass man sich direkt am nächsten Morgen wieder hinter die Tastatur klemmt. Auch Erholung reift in einem. Allem die nötige Zeit lassen.

* Abschalten. Ganz was anderes machen. Kreativ kann man in so vielerlei Hinsicht sein. Und ich meine damit nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Zeichnen, Musizieren oder Handarbeit.
Sondern zum Beispiel auch die von mir sträflich vernachlässigte Tugend, sich etwas Vernünftiges zu kochen, neue Rezepte auszuprobieren. Oder bodenständige Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Aufräumen. Letzteres hilft mir sehr gut. Bringt man die eigene Wohnung auf Vordermann, klärt das den Kopf ungemein (da oben nisten sich schnell Fledermäuse ein ^^).
Man kann die Regale neu sortieren, vielleicht Bücher entdecken, von denen man nicht einmal mehr wusste, dass man sie hat. Und das bringt mich zum nächsten Punkt:

* Abschalten und andere kreativ sein lassen. In der Zeit, in der ich schreibe, lese ich wenig, sehe wenig fern und setze Musik zur Unterstützung ein.
Anstatt meine Sammlung alter US-Comics ständig abzustauben, sollte ich sie wieder einmal lesen. Oder in die Leseproben reinschnuppern, die ich mir von Amazon herunterlade. Oder den üblichen SUB um wenigstens ein Buch erleichtern.

Das alles sind Vorgehensweisen, die eines voraussetzen: dass das Umfeld stimmt. Dass der Alltag in gewohnten, ruhigen Bahnen verläuft. Wenn es hier hakt, muss man zuerst hier ansetzen.

Muse benötigt Muße, und das heißt, den Kopf freizuhaben.
Wie sehr einen Alltagssorgen hindern oder im schlimmsten Fall lähmen, kann nur jeder für sich selbst ausmachen. Robuste Naturen stecken sie leichter weg, andere leiden darunter. Aber sind es die, die einen plagen, muss (ja, in diesem Fall "muss") man dort ansetzen.
Finanzielle oder gesundheitliche Probleme - seien es die eigenen oder bei Menschen, die einem nahe stehen -  können einen nachhaltig beeinträchtigen. Und sie sind geradezu tödlich für einen kreativen Impuls.

* Probleme lösen oder verarbeiten. Das Bewusstsein muss wieder offen für müßige Ideen sein. Sonst kreisen sich die Gedanken gerade bei solch essentiellen Problemen um ganz andere Dinge als um eine launige Idee für einen Roman. Verständlicherweise.

* "Kreativität light": keine großen Projekte planen, sondern kleine, überschaubare. Sei es ein Blogeintrag (...), ein Gedicht (bin ich ernst, ein Haiku. Bin ich verspielter, ein Limerick) oder eine Kurzgeschichte. Mit der man dann vielleicht kein Geld verdient, sondern sie z.B. im eigenen Blog veröffentlicht.

Schreibblockaden können eine Reihe von Gründen haben: von momentaner Unlust bis hin zu richtigen Problemen. Ob man sie handfest angeht oder bewusst ausblendet, kann jeder nur für sich selbst entscheiden und an der jeweiligen (Lebens)Situation festmachen.

Ziel ist, den Kopf wieder fürs Schreiben freizubekommen. Und das ohne Druck. Wer schreiben will, wird wieder schreiben. Manchmal früher, manchmal später.

Kommentare:

  1. dieses unter-Strom-stehen, nachdem ein Projekt abgeschlossen ist, der anschließende Aktionismus, weil man meint, dass es immer so weiter gehen muss - da vergisst man schnell, dass man dringend Abstand braucht.
    Nach der Ruhephase gibt es für mich immer eine Art herantasten - ich nehme mir einen noch nicht fertigen Text vor und feile daran herum, bis ich plötzlich merke: ich füge ja nicht nur einzelne Worte ein und verschiebe Sätze. Nein, ich schreibe wieder. Alles wird gut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist auf jeden Fall auch ein guter Tipp, wenn man noch einen Text auf Halde hat. Dieses Herumfeilen an bereits bestehenden Sätzen kann schnell Laune machen, einen neuen Text in Angriff zu nehmen.

      Löschen
  2. Oh, das hier "Klappt ein Projekt nicht, arbeite am nächsten." ist ein für mich sehr, sehr gefährlicher Rat. ;)
    Ich habe nämlich ohnehin das 'oooh shiny!' Syndrom, wenn ich am Schreiben bin. Heißt: sobald ich mich festgefahren habe, sieht ein anderes Projekt sehr viel verlockender aus. Oder sobald die Idee (und mit ihr die Luft)erstmal raus ist. Wenn das so weiter geht, dann werd ich über Kurzgeschichten nie rauskommen. *lol*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann arbeite an einer Kurzgeschichtensammlung. ^^

      Löschen