Mittwoch, 25. September 2013

Das Internet und du: sei du selbst, aber sei vor allem Autor

Als Autor – und gerade als Selfpublisher – kommt man ohne den Kontakt zu einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen nicht aus: den Lesern.
Will man diese Leser erreichen, muss man auf sie zugehen. Doch die Frage ist, wie und wie sehr man auf sie zugeht bzw. wie sehr das in Zeiten von Social Media schon eine Grundvoraussetzung ist, um sich als Autor zu behaupten.
 In früheren Zeiten war das übersichtlich.
Man hat einen Roman geschrieben und bei einem Verlag eingereicht. Der Verlag hat ihn entweder akzeptiert oder einen hungrig ins Bett geschickt.
Bei einer Veröffentlichung lag die Hauptarbeit beim Verleger. Marketing und Rezensionen haben Interesse geweckt, Verlagsverteter haben das Buch in Buchhandlungen beworben. Der Autor konnte in Ruhe vor sich hinwerkeln.
Es sei denn, es boten sich Lesungen an – aber auch die sind schon nicht jedermanns Sache. Nicht jeder, der gut schreiben kann, kann auch automatisch gut reden oder vorlesen. Vor allem vor Publikum.
Schon vor Selfpublishing hat sich diese Arbeitsaufteilung verschoben. Spätestens mit dem Internet wurde die Öffentlichkeitsarbeit auch auf die Autoren abgewälzt. Die Aktualisierung der eigenen Homepage, die Pflege und am besten Vergrößerung der eigenen Fanbasis wurden schnell zu Selbstverständlichkeiten, um die sich gefälligst der Autor zu kümmern habe.
Dies umso mehr mit der zunehmenden Bedeutung von sozialen Netzwerken und ihren großen Plattformen wie Facebook, Twitter oder Youtube.

Damit gewann eine Fähigkeit an Bedeutung: die der sozialen Intelligenz oder sozialen Kompetenz.
Autoren, denen es liegt, über sich zu plaudern, offen aus sich herauszugehen und auf andere zuzugehen, haben in diesem gemeinschaftlichen Miteinander einen deutlichen Vorteil. Mit allem Vor- und Nachteilen, die es hat, sich selten persönlich zu kennen und trotzdem schnell per Du zu sein.

Aber wie weit geht das? Wie weit darf es, muss es gehen?
Das Entscheidende hierbei ist, sich immer vor Augen zu führen, dass man als Autor in Erscheinung tritt. Nicht als privater Mensch! Sondern als jemand, der schreibt, um damit seinen Lebensunterhalt (zumindest teilweise) zu bestreiten und anderen seine Ideen mitzuteilen.
Bei einer Lesung oder Signierstunde ist das räumlich klar geregelt. Alles vor dem Tisch sind Leser, alles hinter dem Tisch Autoren. Alles, was um einen herumsitzt, sind Leser. Die einsame Gestalt da vorne mit dem Buch in der Hand ist der Autor.
Diese räumliche Distanz muss der Autor im realen Leben überbrücken, um seine Leser bzw. Zuhörer für sich zu gewinnen. Im Internet hingegen muss er daran denken, sie virtuell einzuhalten. Ohne eine professionelle, aber stets auf den Leser orientierte, Distanz macht sich ein Autor schnell angreifbar.
Dies umso mehr, sobald die ersten kritischen Bemerkungen aufschlagen. Und diese werden kommen. Sei es fundierte Kritik oder auch unsachliche. Mit beidem muss man umgehen können.
Kurzfassung: immer sachlich und höflich. Nie persönlich werden. Und auf gar keinen Fall zurückkeilen. Damit schadet man nur seinem eigenen Ruf.

Denn um diesen geht es bei den eigenen Auftritten im Internet.
Das heißt aber nicht, dass man keine Kanten zeigen darf. Diese umreißen den eigenen Charakter. Vorlieben genauso wie Abneigungen. Mit ihnen kann man einen Autor als Mensch sehr gut greifen.
Aber auch angreifen.
Denn an Kanten stößt man sich, reibt sich und bleibt an ihnen hängen. Manchen Lesern wird das gefallen. Andere wird es abschrecken. Und im schlimmsten Fall kaufen sie die eigenen Bücher nicht, weil ihnen der Mensch dahinter nicht zusagt.
Was ist die Alternative? Der stromlinienförmige, teflonbeschichtete Auftritt?
Dieser wird genauso abschrecken, wenn auch unbewusster. Leser fühlen sich vielleicht nicht frontal gestört durch das Auftreten. Aber es wird ihnen etwas fehlen, das diesen Autor oder diese Autorin zu jemand macht, dem man mehr Aufmerksamkeit schenken müsste als einem Werbespot.
Gerade in sozialen Netzwerken und erst recht bei (vielleicht noch eher unbekannten) Selfpublishern will man als Leser den Menschen hinter dem Autor begreifen können, im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Ohne offenes, vielleicht sogar offensives (auch wenn das Wort erst einmal abschrecken mag) Auftreten kommt man genauso wenig weiter wie ohne Kanten. Wer nicht den Wunsch verspürt, öffentlich in Erscheinung zu treten, sollte es auch nicht. Ernsthaft!
Vieles ist dabei Veranlagung, im Charakter oder der Natur jedes Einzelnen begründet. Und dabei kann sich jeder nur so und so weit anpassen, bis man sich verbiegen muss und sich in seiner eigenen Rolle nicht mehr wohlfühlt.
Was soll man Autoren raten, die eher verschlossen sind, schüchtern und ihre Worte lieber sorgsam wählen als es in dieser schnell(lebig)en Social Media-Welt üblich ist?
Was Autoren, die emotional reagieren und kein Blatt vor den Mund nehmen?

"Tut uns leid, ihr passt nicht in unsere glamouröse Welt der Selbstdarsteller, die mit Jacketkronen in die Kamera lächeln. Lernt, uns zu gefallen, oder ihr werdet nie Erfolg haben!"
Wohl kaum.
Es gibt zahlreiche Autoren, die sich Facebook und Twitter regelrecht verweigern. Und trotzdem gelesen werden.

Wer sich als Autor dem Internet völlig verweigert, wird wiederum nur Kopfschütteln ernten. Denn gibt es auch andere Wege als nur über die großen Plattformen.
Eine ansprechend gestaltete Homepage. Mit ein paar kostenlosen Kurzgeschichten oder Essays, die zum Lesen einladen.
Ein eigenes Blog. In das einem keiner reinredet. In dem man seine Meinungen und Gedanken im eigenen Umfeld formulieren kann.
Oder ein wöchentlicher oder monatlicher Newsletter, in dem man neben Romanen auch ruhig über persönliche Belanglosigkeiten sprechen kann. Aber eben ohne das "Hintergrundrauschen" von z.B. Twitter.
Oder Podcasts, falls es einem schwer fällt, vor Publikum zu sprechen.
Wer gerne fotografiert, kann flickr nutzen oder Pinterest, um sich anhand von Bildern auszudrücken, ohne damit automatisch nur so viel von der eigenen Person preiszugeben, wie man möchte.

Man muss damit nicht jedem gefallen.
Man muss auch die die "üblichen verdächtigen" Portale nutzen.
Wichtig ist nur, dass man die Leser mitnimmt und ihnen ermöglicht, einen kennenzulernen. Und ihnen einen Mehrwert dafür gibt, dass sie sich die Zeit nehmen, sich mit einem auseinanderzusetzen.
Das heißt vor allem, dass die eigene Selbstdarstellung (ob introvertiert oder extravertiert) nie ein Selbstzweck sein darf.
Als Autor ist man gut beraten, für seine Leser - bereits vorhandene oder potenzielle - da zu sein. Dabei kann man ein Bad in der (virtuellen) Menge genauso nehmen wie man ein kurzes Gedicht online stellen kann. Oder man schreibt seine Gedanken zum aktuellen Text, an dem man sitzt. Und veröffentlicht einen kurzen Textschnipsel.


Es müssen nicht die lauten Töne sein, um sich als Autor zu präsentieren. Hauptsache ist, man nimmt die Leser mit auf die Reise. Interessieren sie sich für dich als Person, interessieren sie sich auch für das, was du schreibst.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen