Samstag, 30. November 2013

NaNoWriMo 2013 – 30 Tage, 50.000 Worte und viel gelernt

Der Begriff „NaNoWriMo“ geisterte schon länger auf verschiedenen Autorenseiten herum, die ich besuche oder auf Facebook verfolge.
Aber erst Gloria Manderfeld, die mir vorschlug, das Experiment als „Writing Buddies“ anzugehen, hat mich dann dazu gebracht, mich noch einmal näher mit diesem obskuren Termin im November zu beschäftigen.

Kurz gesagt, NaNoWriMo (National Novel Writing Month) bedeutet: „Schreibe einen Roman von mindestens 50.000 Wörtern. Dafür hast du den November Zeit“.
Nun hatte ich ohnehin vor, im November an einem neuen Romanprojekt zu arbeiten. Anstatt also wie üblich vor mich hinzuschreiben, fand ich die Idee, das im Rahmen eines Wettbewerbs zu machen und sich mit anderen Autoren auszutauschen - und anzuspornen -, eine interessante Abwechslung.

Ich wusste aber auch eines vorab: Das wird eine ambitionierte Vorgabe.
50.000 Wörter entsprechen ca. 300.000 bis 325.000 Zeichen. Das ist in etwa der Umfang von drei meiner letzten vier Romane. Ich wusste also, mit dem Umfang komme ich klar.
Ich wusste aber auch, dass ich mir für diese Romane fünf bis sechs Wochen Zeit genommen habe. Und nicht nur vier.
Das hieß, ich musste jeden Tag schreiben. Ohne Pause. Ein freier Tag hieß, in Rückstand zu geraten und diesen aufholen zu müssen.

Der Monat fing schon damit 'optimal' an, dass ich die ersten drei Tage durch die Kölner Comicmesse nicht zum Schreiben kam. 10 % des Monats weg, ohne eine einzige Zeile getippt zu haben …
Ärmel hochkrempeln.
Die nächsten zwei Wochen habe ich kontinuierlich aufgeholt und lag bis Mitte des Monats über dem Soll – und dann ging erst einmal vier Tage gar nichts mehr. Ich war so „leergeschrieben“, dass ich eine Pause einlegen musste.
Aber gleichzeitig verfolgt man dieses nette, fiese, unaufdringlich zermürbende Diagramm, das einem mitteilt, wo man liegt und wann man mit dem Roman fertig wird, wenn man so weitermacht. Das war nach den vier Tagen der 8. Dezember.


Für den Zeitraum hatte ich anderes vor, also weiterschreiben.
Was gar nicht so einfach ist, wenn man an einen Punkt kommt, an dem man in der Handlung feststeckt. Also wurde die moralische Unterstützung durch die Writing Buddies herausgeholt und bis zum Ende des Monats immer häufiger in Anspruch genommen.
Und zusammen "brainzustormen" (wunderschönes Deutsch ^^) ist tatsächlich eine belebende Erfahrung gewesen, gerade mitten in einem laufenden Projekt!
Als die 40.000 gefallen waren, wusste ich, ich schaffe das, als die 48.000 mit drei Tagen Vorsprung erreicht waren, habe ich in Gedanken schon die Ziellinie überquert – und dann lief gar nichts mehr. Die letzten 2.000 Worte liefen so unglaublich zäh, als hätte ich von einem Tag auf den anderen vergessen, wie man formuliert. Oder, worüber ich eigentlich schreiben wollte.
Als die 50.000 fielen, war das weniger Freude als Erleichterung. Ein Gefühl, als hätte man beim Umzug geholfen und am Schluss noch die Waschmaschine getragen.

Im Lauf des Abends sickert es dann aber doch durch, dass man es geschafft hat, lädt sich eines der offiziellen Abzeichen herunter (Jubel! Hurra! Öh, das war’s?!) und freut sich, wie viele Leute einem auf Facebook Feedback geben, gerade auch andere Autoren.
Das war dann sogar viel mehr Belohnung, als das Ziel selbst erreicht zu haben.

Der Roman ist dabei noch nicht einmal fertig.
Ich rechne im Augenblick mit 60.000 bis 65.000 Worten. Es steht also noch mindestens eine Woche an, bis ich wirklich den letzten Punkt unters Manuskript setzen kann.

Neben der sportlichen Herausforderung lernt man in solch einem Monat vor allem eines: viel über sich selbst.
Vieles davon hatte ich schon während der letzten Romane bei mir beobachtet. Es war eine wichtige Erfahrung, es in diesen vier Wochen nun unter Zeitdruck deutlich zu erleben und einordnen zu können.

  • Ich kann nicht nonstop schreiben. Die beste Aufteilung ist für mich die klassische Arbeitswoche. Fünf Tage Schreiben, am Wochenende ausruhen. Auf diesem Niveau kann ich wochenlang durchhalten.
  • Der ideale Umfang pro Schreibtag liegt für mich bei ca. 2.000 Wörter / ca. 12.000 Zeichen. Dafür benötige ich zwei bis drei Stunden.
  • Ich nehme mir nicht vor, dieses Soll jeden Tag zu schaffen. Sondern über die Woche verteilt auf meine 60.000 Zeichen zu kommen.
    Es gibt Tage, an denen läuft nichts zusammen. An diesen gönne ich mir dann auch die Ruhe, zwinge mich nicht und peile den Wochenschnitt an. Das klappt bei mir sehr gut.
  • Damit bekomme ich in einem Arbeitsmonat ca. 250.000 Zeichen geschrieben. Was bei angepeilten sechs Wochen pro Roman einen Umfang von 350.000 von 400.000 ergibt. Und damit bin ich mehr als zufrieden.
  • Ich brauche mindestens vier bis sechs Wochen nach einem Projekt, um wieder in dieser Phase „junger Hund“ zu sein (Boah, ein Ball! Ein Schmetterling! Ein Roman!), in der ich dann gar nicht anders kann, als wieder etwas zu schreiben.
  • Damit komme ich (wie dieses Jahr) auf vier Romane.
    Und diesen Schnitt halte ich locker durch. Nicht nur ein Jahr, sondern fünf oder zehn oder länger (soweit die Gesundheit mitmacht). Und diesen Schnitt will ich durchhalten, die nächsten fünf bis zehn Jahre.


Wichtige alltägliche Lehren (nein, alle nicht neu – aber ich werde sie in Zukunft beherzigen).

  • Fernsehen frisst Zeit, gerade digitale Sender, die gerne mehrere Folgen einer Serie hintereinander ausstrahlen. Wenn ich also schon unbedingt etwas ansehen will, dann nur mit genügend Platz auf dem Festplattenrecorder und … hinterher!
    Erst Unterhaltung schaffen, dann unterhalten lassen.
  • Noch mehr Zeit frisst das Internet, und vor allem Facebook.
    Hier noch ein Kommentar, da hat noch jemand geantwortet, und der Link hier sieht ja auch interessant aus … es ist weniger die Zeit, die dabei verloren geht, sondern vor allem die Konzentration!
    Es ist so verführerisch leicht, sich mit Social Networks und Social Media berieseln zu lassen. Getreu Tim Bendzko will man ja nur noch kurz die Welt retten. Finger davon lassen.
    Ich bin in diesem Monat sehr viel selektiver geworden, wo ich noch reinschaue, wo ich noch poste oder wem ich noch aktiv folge, bei Facebook wie bei Twitter.
    Natürlich gehört das dazu, gerade wenn man als Self Publisher in der digitalen Welt zu Hause ist. Es sollte einen beim Schreiben aber unterstützen, nicht davon abhalten.
  • Mir hilft, es eine gewisse Regelmäßigkeit einzuhalten. Wenn man will, 'Rituale'.
    Ich schreibe am liebsten abends, wenn es dunkel ist, habe dabei nur ein indirektes Licht an, stelle das Telefon ganz weit weg, sitze nicht vor dem Computer (ich tippe seit Sommer letzten Jahres meine Romane fast ausschließlich auf dem iPad auf der Couch).
    Nebenher läuft so leise Musik, dass sie mich nicht ablenkt, aber so hörbar, dass sie mich antreibt.
    Bei Rotwein konzentriere ich mich besser als bei Weißwein. Ansonsten höchstens Wasser. Nichts Süßes, weder flüssig noch fest, egal wie gesund oder ungesund.
    Nüsse knabbern lenkt mich unglaublich ab. Ebenso wie unmotivierte Zombieattacken. Die sind zum Glück aber relativ selten.

Die Moral von der Geschicht‘:
Es war ein spannendes Experiment, ich habe ein paar sehr nette Leute kennen gelernt, die mir als Kontakte hoffentlich auch erhalten bleiben. Ich habe mehr geleistet, als ich selbst gedacht hätte – aber ich sehe das als einmalige Sache. Immerhin habe ich das Abzeichen! ^^


Wer als Autor ernsthaft vom Schreiben leben will, muss sich ohnehin bewusst sein, dass jeder Monat NaNoWriMo ist ... und auf mich warten ja schon zwei fertige Romane, die endlich bearbeitet werden müssen.

Kommentare:

  1. Danke für den Einblick - und Glückwunsch zum NaNo-Sieg! ^^

    Bei mir war es erstaunlicherweise anderherum: Die letzten Tausender purzelten so schnell aus der Tastaur ... die Ziellinie war ja auch schon so nah ... dass ich ganz überraschend sogar schon am 28.11. fertig war. Mit den 50k, nicht mit dem Roman. ;)

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  2. Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zum 50k Abschluss!
    Dein Fazit kann man, denke ich, so unterschreiben.
    Auch ich fand es letztes Jahr unglaublich interessant zu lernen: ja, man kann in vier Wochen (damals waren es sogar nur drei!) 50 000 Wort aufs Papier bringen und nein, nicht alles davon ist furchtbar.
    Genauso wichtig finde ich, dass man seinen eigenen Arbeitsrhythmus erkennt und befolgt. Manchmal mal geht eben gar nichts, das ist dann auch gut, aber sich ein Wochenziel zu setzen, finde ich z.B. auch ziemlich sinnvoll.
    Mir persönlich ist der Austausch der wichtigste Punkt am NaNo. Einfach nur wertfrei aufs Schreiben konzentriert, zusammen mal rumspinnen, sich gegenseitig zu inspirieren - das find ich gut. :)
    Und natürlich, es ist jeder Monat NaNo, doch der im November ist eine ziemlich gute Probe, ob man das so haben will und wie man es organisieren muss, damit man es durchhält.
    In diesem Sinne, machen wir mal weiter. :)

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