Donnerstag, 19. Dezember 2013

eBooks für 49 Cent? Die Freiheit nehm' ich mir

Es war mir schon lange bewusst, dass man bei Apple iBooks seine eBooks auch für 49 Cent anbieten kann. Ich dachte allerdings, das sei auf Apple beschränkt.
Nachdem mir mein Vertrieb bestätigt hat, dass dem nicht so ist, eröffnet das neue Möglichkeiten.


Ich schreibe seit Mitte der 1980er.
Die meisten meiner Geschichten waren seitdem sehr kurz, im Bereich zwischen 20.000 und 50.000 Zeichen (bzw. 3.500 bis 8.000 Wörter). Das ist eine Länge, die meinem Schreibimpuls am gelegensten kam. Damit ließen sich Ideen in zwei, drei Tagen schön kompakt umsetzen – und waren abgeschlossen.
Das war meine Vorgehensweise für einzelne, in sich geschlossene Geschichten, aber auch für Serien wie z.B. die Talon-Episoden von 2002 bis 2007.
Erst 2012 habe ich mit dem ersten John Storm-Roman (jaajaja, der zweite ist fertig, muss aber noch überarbeitet werden) meinen ersten längeren Roman mit über 300.000 Zeichen geschrieben. Auch jetzt, nach drei weiteren Romanen in der Länge ist es für mich nach wie vor eine ungewohnte Herausforderung, solch ein langes Projekt in Angriff zu nehmen.

Ich hatte zwischendurch immer wieder mal Lust, etwas in der vertrauten Länge umzusetzen – wusste aber gleichzeitig, dass dafür kein Markt da ist. Weniger wegen der Länge der Geschichten, sondern aufgrund des Preises, zu dem ich sie anbieten kann.
Der niedrigste Preis bei Amazon KDP ist 86 Cent. Das ist schon günstig, aber ich als Autor habe ich schlechtes Gefühl dabei, für eine einzelne Kurzgeschichte so "viel" zu verlangen.
Bei beam eBooks sind es 99 Cent. Aufgrund der Buchpreisbindung hätte ich also dann den Amazon-Preis nicht einmal nutzen können.
Geschichten aber nur aus dem Grund kostenlos abzugeben, weil mir kein Shop andere Preis ermöglicht, habe ich nicht eingesehen. Gebe ich eine Geschichte kostenlos an meine Leser ab, dann deshalb, weil ich das möchte.
Nicht, weil es mir die Shops quasi aufzwingen. Von echtem Micropayment sind wir bis heute weit entfernt.

Vor ein paar Tagen bin ich nun über die Self Publisher-Gruppe auf Facebook auf Kurzgeschichten bei Amazon für 49 Cent gestoßen. Und das brachte den Stein ins Rollen.
Nachfrage bei meinem Distributor, und ja, Apples 49-Cent-Preis wird von allen Shops so übernommen, auch von Amazon. Was über KDP nicht möglich ist, geht über einen Vertrieb.

49 Cent ist ein Preis, zu dem ich selbst auch einzelne Kurzgeschichte kaufen würde. Da stimmt für mich als Leser das Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn die Geschichte wenigstens 20.000 Zeichen hat (man gibt für kürzere Vergnügen oftmals mehr Geld aus …).
Was den Autor in mir schnell überzeugt hat.

Daher habe ich heute mit "Brautjagd" meine erste Science-Fiction-Kurzgeschichte für 49 Cent herausgegeben.
Bei Amazon und txtr ist sie bereits erhältlich. Ich hoffe mal, die anderen Shops ziehen vor Weihnachten noch nach.

Ich habe nicht vor, mich ausschließlich auf das Schreiben kurzer Texte zu verlegen. Aber ich sehe für mich nun endlich die Freiheit, sie (wieder)  zu schreiben – und doch noch ein paar Cent damit verdienen.
Machen wir uns nichts vor. Von den 49 Cent bleiben mir unter dem Strich ca. 20. Da kann jeder hochrechnen, wie viele ich verkaufen müsste, um alleine auf einen zweistelligen Betrag zu kommen.

Es geht also nicht um das schnelle Geld, sondern darum, als Autor nicht nur stets Richtung "Elefantenarsch" (© Martin Clauß) zu blicken, das dicke Mammutwerk, bei dem ich als Leser nie weiß, wann ich die Zeit finde, es zu lesen.
Ich bin mit den Übersetzungen von Pulp-Geschichten der 1930er bis 1950er Jahre aufgewachsen. Seien es die Kurzgeschichten in "Terra Fantasy" oder die (schmerzlich vermissten) Science-Fiction-Anthologien, in denen sich Jahrzehnte der besten SF wiederfinden ließ.
Sie haben mich und meine Art, Geschichten zu betrachten, nachhaltig geprägt. Tolkiens Dreiteiler war nie mein Ding. Zu wenig Inhalt auf zu vielen Seiten (mein Blog, meine Meinung ;) ). Ich wollte es kurz, knackig, auf den Punkt gebracht.

So sehr ich die Vorteile längerer Romane inzwischen selbst zu schätzen weiß, so sehr habe ich gleichzeitig meine "Schreibwurzeln" vermisst. Wie auch die Möglichkeit, sie in einer Form umzusetzen, mit der ich selbst einverstanden bin.
Ob sich die Geschichten verkaufen werden, weiß ich nicht. Ob die Leser sie verreißen, weil sie sie für zu kurz oder zu teuer oder beides finden, werde ich sehen.

Ich als Autor genieße es gerade, jeden Umfang zu einem akzeptablen Preis anbieten zu können.
Und ich freue mich, wenn sich ein paar Leser finden lassen, denen das genauso Spaß macht, wie mir.

1 Kommentar:

  1. Das ist ja mal wirklich eine gute Idee.
    Weißt ja, Kurzgeschichten sind auch mein erstes Genre. :)

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