Dienstag, 3. Juni 2014

Wie entsteht eigentlich ein vorgefertigtes Titelbild?

Ich habe inzwischen schon eine Reihe von vorgefertigten Titelbildern - oder wie sie auf Englisch heißen "premade covers" - entworfen. Im Prinzip ist es ganz einfach.
Man besorgt sich aus einer Fotodatenbank günstig ein paar Motive, klatscht sie zusammen und verlangt dafür dann unverschämt viel Geld. Richtig? Schön wäre es, wenn es so einfach wäre ... ;)

Man kann es sich mit einem Premade Cover etwas einfach machen und nimmt tatsächlich ein einzelnes Foto als Vorlage.
Selbst das braucht aber dann eine gewisse Arbeit, damit daraus ein gutes Cover wird. Die Komposition sollte stimmen (Stichwort: goldener Schnitt), die Schrift und die Schriftfarbe sollten zum Motiv passen. Trotzdem, das ist eine Arbeit, die sich mit etwas Erfahrung relativ schnell umsetzen lässt.

Was bei allem Premade Covern der größte Haken ist: man muss als Grafiker vorausahnen, welche Romane ein Autor schreiben könnte, damit ein Bild dazu passt.
Krimi? Ein Revolver, ein Messer, etwas Blut. Das aus einer leicht schrägen Perspektive. Damit liegt man nie ganz verkehrt.

Aber was ist, wenn man einfach mal rumspielt? Und Motive miteinander kombiniert? Und schaut, ob sie zusammenpassen? Und was für ein Bild zum Schluss dabei herauskommt?
Das möchte ich euch an diesem Beitrag einmal präsentieren.

Ich hatte eine Vorlage - einen Falken vor einem Nachthimmel mit Mond.

Das alleine ist ein schönes Motiv, aber es ergibt kein Titelbild. Es fehlt ein zweiter Bestandteil. Also habe ich dazu ein Gesicht ausgewählt.


Das war ein ganz hübscher Entwurf. Ich hatte auch prompt einen Titel im Kopf (nein, ich wollte keinen Roman dazu schreiben ...), "Der letzte Flug des Falken". Vielleicht etwas über einen Auftragsterroristen, der seinen letzten Auftrag erledigen will.

Das hat mir gefallen. Aber dann war der Gedanke da "Mann mit Atemmaske, und Falke mit Mond - wie passt das denn zusammen?". Der Einwand ließ mich nicht mehr los, also musste statt des Falken etwas Moderneres her.
Gleichzeitig dachte ich mir, eine Atemmaske setzt irgendeine bedrohliche Situation voraus, ein Feuer zum Beispiel. Dafür passt aber das Blau nicht mehr als Grundton, sondern eher Rot-Orange.


Und plötzlich hatte ich ein völlig neues Cover.
Das war modern. Das ging in Richtung Spionage, Militär und Terrorismus. Doch, damit konnte ich eigentlich gut leben.
Nur sagten plötzlich zwei Leute "Schönes Cover, aber der Helikopter stört".

Da hat man ein Bild, das eigentlich ganz in Ordnung ist, und prompt kommen die ersten Kritiker ...
Aber sie hatten nicht unrecht. Vor allem schränkt der Helikopter ein. Ein Roman muss jetzt schon ganz genau zum Cover passen, sonst wundern sich die Leser.

Gut, Helikopter raus. Zudem passt die Atemmaske eher zu einer Notsituation. Eine Pilotenmaske sieht anders aus. Der gefährliche Grundton sollte aber erhalten bleiben. Also eine Postapokalypse. Die moderne Welt nach dem Untergang. Eine untergehende Sonne hat dabei etwas sehr Stimmungsvolles, also sollte sie bleiben. Aber der Helikopter musste raus.

Willkommen im Weltuntergang. Oder einem Krieg. Oder einer Zombie-Apokalypse. Oder einem Erdbeben. Das Cover ist mit einer zerstörten Stadt viel vielseitiger einsetzbar.
Aber etwas hat mich gestört. Der untere Bereich war zu knallig. Das hat farblich nicht mehr zum oberen Bereich gepasst.
Und hier geht es nicht um die Launen eines Grafikers. Leser sehen das - unbewusst, ohne vielleicht den Finger darauf legen zu können. Aber sie merken, dass sie irgendetwas an dem Bild stört. Das Bild war gut. Aber noch nicht gut genug.

Ich habe an den Farbreglern und Helligkeiten herumgeschraubt, aber nichts hat mich überzeugt. Bis mir klar wurde: die Sonne muss raus. Sie erst erzeugt diesen harten Kontrast. Danach müssen die Übergänge noch etwas weicher gestaltet werden, aber dann sollte es funktionieren.

Das ist das Bild in seiner endgültigen Fassung. Der Helligkeitston und die farbliche Ausrichtung ist nun im oberen und unteren Bereich stimmig. Der Titel kann sich klar vom Bild abheben.

Ein Premade Cover kann sehr schnell entworfen sein. Manchmal passen die Elemente zusammen wie füreinander geschaffen. Manchmal ist es aber eben doch ein Tüfteln und Feilen und Schleifen, bis der Entwurf wirklich markttauglich ist.

Bei einem Premade Cover bezahlt man als Autor nicht die Vorlagen. Die erhält man je nach Paket für ein paar Cent. Man bezahlt auch nicht den Erstentwurf. Der geht meist sehr schnell. Man bezahlt die Arbeitszeit, die einfließt, damit ein Cover (hoffentlich) professionellen Ansprüchen genügt.

Die Unterschiede mögen nicht groß sein - aber die Leser merken sie. Und entscheiden, ob sie das Cover überhaupt so weit anspricht, um sich weiter für den Roman zu interessieren.

Ahso - und aus dem Falken-Cover wurde stattdessen dieser Entwurf. ^^


Kommentare:

  1. Interessante Ausführungen. Danke.

    AntwortenLöschen
  2. Die Titel gefallen mir. Bieten Sie Ihre Premade-Cover irgendwo zum Kauf an?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich! Im Augenblick arbeite ich an einer eigenen Seite für die Cover. Diese soll im Juli online gehen.
      Wenn konkretes Interesse besteht, bis dahin einfach das Kontaktformular rechts unten nutzen. :)

      Löschen
    2. Danke für die schnelle Antwort. Die beiden hier gezeigten Motive passen nicht zu meinem nächsten Projekt, aber ich würde halt gern mehr sehen. Ich habe noch bis August Zeit, mir über mein Cover Gedanken zu machen, von daher schaue ich dann im Juli auf jeden Fall wieder vorbei! :)

      Löschen