Freitag, 25. Juli 2014

Tablets - der schnell ausgeträumte Traum für eBook-Shops

Es ist verblüffend. Einerseits haben sich Tablet PCs seit dem iPad 2010 durchgesetzt und als feste Größe auf dem Hardware-Sektor etabliert. Andererseits tun sich alle Shops, die mit einem eigenen Tablet an den Markt gehen, gelinde gesagt schwer.

Auf den ersten Blick mag es wie ein Widerspruch klingen - aber ist es das wirklich?

Gerade erst berichtet das Börsenblatt über massive Preissenkungen bei den Tolino-Tablets. Das macht man gemeinhin nicht, wenn die Verkäufe gut sind, die Kunden also auch bereit sind, den höheren Preis zu zahlen.
Barnes & Noble geht nach enttäuschenden Verkäufen für das "Abenteuer Tablet" in Zukunft eine Kooperation mit Samsung ein und konzentriert sich lieber auf sein Kerngeschäft, Bücher bzw. eBooks.
Und selbst Amazon muss feststellen, dass sich seine Kindle Fire gegenüber den anderen Android-Tablets am Markt auf Dauer schlechter durchsetzen als erwartet.

Wo liegt das Problem?
Technisch sind die Geräte gut. An der Hardware liegt es nicht. Nein, ich denke, alle drei haben sich im Kundenverhalten verschätzt. Und zwar alle drei auf dieselbe Weise. Das ist das Verblüffende.

Die Tolino-Shops, Barnes & Noble und Amazon haben mit eInk-Lesegeräten angefangen. Das sind insgesamt betrachtet Nischengeräte. Für Vielleser. Eine Nischenkundschaft. Aber eben doch eine sehr kauffreudige und kaufstarke Nische.
Diese war und ist bereit, in ausgereifte "Nur-Lesegeräte" sogar im Jahresrhythmus zu investieren.

Tablets hingegen bedienen einen ganz anderen Markt.
Es sind multimediale Alleskönner, an denen man als Gelegenheitsnutzer alle Arbeiten erledigen kann, die man auch am PC oder am Notebook ausführen kann. Nicht umsonst haben diese beiden Marktsegmente unter Tablets am deutlichsten zu leiden.
Surfen, Mails schreiben, Videos schauen, spielen - und lesen. Unter anderem. Auch. Wenn man will.

Wer ein Tablet kauft, tut das selten vorrangig, um damit lesen zu können (es sei denn, man ist ein Nerd wie ich, der nicht auf Farbcover verzichten will und auch gerne Comics liest).
Wer ein Tablet kauft, hat zudem - anders als bei den eBook-Shop-Tablets - eine freie Auswahl unter den Lese-Apps. Man kann die Kindle-App installieren, man muss es aber nicht. Selbst wenn man sein Tablet zum Lesen nutzt, ist der typische Tablet-User eher ein Gelegenheitsleser.
Damit fällt er für Tolino und Barnes & Noble als umsatzstarker Kunde schon mal weg.

Aber was ist mit Amazon? Die haben doch auch ihren App-Shop, ihren MP3-Verkauf und ihren Filmdienst Instant Video.
Richtig. Aber wer ein Android-Tablet nutzt, greift bei Apps lieber auf dem umfangreicheren Google Shop zu. Das ist ohne große Kniffe auch auf dem Kindle Fire möglich. Musik und Filme? Tja, da kommt auch Amazon ins Schwimmen. Warum sollte ich Amazons Dienste nutzen, wenn ich (in den USA) mit Netflix, Hulu oder Spotify genauso einfach und teilweise kostenlos an meine Unterhaltung komme?
Hier versucht Amazon zwar, mit neuen Flatrateangeboten gegenzusteuern. Auf einem inzwischen hart umkämpften Markt. Das heißt, ohne Investitionen wird sich Amazon hier nicht durchsetzen. Und just diese machen den Aktionären nun schon länger zu schaffen.

Alle Shops wären gut beraten gewesen, sich auf das zu konzentrieren, was sie bis vor zwei Jahren ausschließlich hatten: Ausgereifte eInk-Lesegeräe und Lese-Apps für alle Tablets am Markt.
Denn unter dem Strich gilt auch bei eBooks "Content sells". Der Inhalt ist es, der das Geld bringt, nicht die Hardware.

Das müssten sie alle - Tolino, Nook, Kindle - schon mit den eInk-Geräten gelernt haben. Nicht nur die klassische Buchbranche ist also mitunter lernresistent ... 

1 Kommentar:

  1. Absolute Nischenprodukte. Ich nutze ein Tolino für: Mobile Pflanzenbestimmung, Expeditionstagebuch (Skizzen), spezielles Kartenmaterial das hohe Displayauflösungen voraussetzt u.s.w. Als Multimediagerät würde ich es niemals nutzen, da unbrauchbar.

    AntwortenLöschen