Freitag, 1. August 2014

Es ist (noch) nicht alles Amazon und Self-Publishing

Mich wundert in manchen Analysen die Fixierung auf Amazon und seine Dominanz am eBook-Markt.

Ja, Verlage tun sich mit eBooks auf Amazon schwer(er). Sie haben gegenüber den meist auch deutlich günstiger angebotenen Titeln von teils völlig unbekannten Self-Publishern keinen leichten Stand.
Dagegen tun sie sich umso leichter auf den meisten anderen Shops, angefangen beim Tolino-Netwerk (Thalia, Weltbild, etc.) über Apple  bis hin zu Libri (ebook.de). Betrachtet man sich deren Startseiten, findet man dort eher ein vierblättriges Kleeblatt als einen Self-Publisher-Titel.
Während Amazon ca. 40 % des deutschen eBook-Markts hält, verteilen sich die restlichen 60 % fast vollständig  auf die oben genannten Mitbewerber. Die Mehrheit des eBook-Sektors wird also nach wie vor von klassischen Verlagen und ihrem Sortiment bestimmt.

Hinzu kommt, dass wir hier über eine immer noch kleine Nische reden.
Sind wir großzügig, dürften eBooks aktuell einen Anteil von 5 % am Umsatz der Buchbranche haben. Wenn Amazon von jenen 40 % einnimmt und dort Self-Publisher dominieren, reden wir über maximal 2 %, die sie den Verlagen abspenstig gemacht haben.

2 % Self-Publisher zu 98 % Verlagen. Würde ich da als Verlag nervös werden? Nicht wirklich.

Werden diese 2 % anwachsen? Sicher. In den kommenden Jahren wohl auf 5 %, langfristig vielleicht auf 10 %. Bleiben immer noch 90 % für die Verlage.
Und daran wird sich nichts ändern, solange sich das Kauf- und Leseverhalten der Kunden nicht ändert. Diese bevorzugen nun mal nach wie vor das gedruckte Buch. Und zwar häufig jene Titel, die Verlage im Eingangsbereich einer Buchhandlung zur Urlaubs- oder Weihnachtszeit präsentieren (was sich der Buchhandel als Service auch gut bezahlen lässt). Und in diesem Bereich tun sich Self-Publisher (altdeutsch: Selbstverleger) seit je her schwer.

Was nicht im VLB gelistet ist und sich nicht schnell und unkompliziert über einen Grossisten beziehen lässt, hat es schwer, in den stationären Buchhandel zu kommen. Und damit entdeckt und gekauft zu werden.

Nicht umsonst versucht Amazon in den USA in diesem Bereich Fuß zu fassen und hat inzwischen bald ein Dutzend Verlags-Imprints für Amazon Publishing ins Leben gerufen und mit CreateSpace eine Print-on-Demand-Plattform im Angebot.
Auch Jeff Bezos weiß, dass eBooks und Self-Publishing auf längere Sicht nur ein Segment des Marktes sind. Er arbeitet daran, dass es das bestimmende Segment wird (natürlich unter den Fittichen von Amazon). Aber auch er weiß, dass das dauert.

Self-Publishing wird zunehmen, eBooks werden Marktanteile hinzugewinnen. Analysen, die nun aber gerade einmal von den a) eBook-Verkäufen von b) Self-Publishern auf c) Amazon Rückschlüsse oder Hochrechnungen für die Zukunft vornehmen, sind eine nette Zahlenspielerei.
Mehr aber auch nicht.

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