Freitag, 29. August 2014

Von einem Stereotyp direkt ins nächste: die moderne Heldin

Gestern Abend habe ich mir endlich mal den Prince of Persia-Film angeschaut.
Und dabei habe ich eines mit einer gewissen Ermüdung zur Kenntnis genommen. Dass man auch unserem Prinz Dastan mit Prinzessin Tamina eine schlagfertige Frau zur Seite stellt, im Kampf genauso wie mit Worten. 

Moment mal, was soll daran denn schlimm sein?
Endlich haben wir in Filmen auch starke Frauen und nicht mehr nur die kreischende Dame in Nöten und ich bin ermüdet?
Ja - weil auch dieser Heldinnentyp in Filmen gerade bei phantastischen Genres inzwischen ein Stereotyp ist, ein Klischee, das dazu dient, auch weiblichen Zuschauern eine Identifikationsfigur zu bieten. Allerdings zumeist eine ziemlich unglaubwürdige.

Ich frage mich, ob das mit Trinity in den Matrix-Filmen seinen Lauf genommen hat. Wobei sie - in diesem ohnehin virtuellen Umfeld - noch relativ plausibel ist. Aber ihr emotionales Knöchelgeklammere an Neo wurde von Film zu Film auch immer schlimmer.
Und als ich Padme Amidala im zweiten Star Wars-Film in der Arena kämpfen gesehen habe, war ich beeindruckt, welcher Drill Sergeant sie wohl früher durch die Palastgänge gescheucht haben muss.
John Carter hat seine taffe Deja Thoris, Dastan eben Tamina, im Remake von Conan wurde unserem Barbaren eine taffe Tamara zur Seite gestellt.

Ja, Conan.
Dessen Schöpfer, Robert E. Howard, der gerade mit der Heroic Fantasy ein Genre geschaffen hat, in dem überstarke männliche Helden nur allzu oft auf eine hilfsbedürftige und schutzsuchende Maid treffen, hat selbst bereits in den 1930ern starke weibliche Charaktere in seinen Geschichten umgesetzt.
Sei es die Schwarze Agnes oder die Rote Sonya von Rogatino in seinen Historienromanen. Oder sei es Bêlit, die Piratenkönigin der Schwarzen Küste, oder Valeria, die Söldnerin, die beide mit Conan sowohl Bett wie Schlachtfeld geteilt haben. Und ihm im Kampf ebenbürtig sind.
Howard hat als männlicher Pulp-Autor für männliche Leser geschrieben. Und trotzdem plausiblere Heldinnen umgesetzt als vieles, was heute politisch korrekt gegendert geboten wird.

All diesen Negativ-Beispielen von oben - ich nenne sie ganz bewusst so - fehlt eines: der Bezug zur Realität. Denn ich frage mich ernsthaft, in welchem Prinzessinnen-Bootcamp die ausgebildet wurden?
Während es bei den Männern einen nachvollziehbaren Hintergrund gibt, fehlt dieser bei den Frauen oftmals. John Carter ist Offizier, Dastan ist Soldat, Conan ohnehin ein Barbar. Selbst ein weinerlicher Anakin Skywalker hat seine Jedi-Ausbildung gemeistert, irgendwie.
Aber was ist mit den Heldinnen?
Obwohl sie ein Leben lang behütet im Palast oder in einem Tempel gewohnt haben, greifen sie wie selbstverständlich zur Waffe, bestehen Zweikämpfe gegen erfahrene Krieger oder Assassinen und finden sich in der fremden Welt außerhalb ihres geschützten Umfelds mit einer Selbstverständlichkeit und Souveränität zurecht, die jeden Pfadfinder vor Neid erblassen lassen dürfte.
Sie sind klug, athletisch, wortgewandt und bildhübsch. Das sowieso. Wir männlichen Zuschauer wollen ja trotz allem immer noch ein Dekolleté zur investigativen Begutachtung präsentiert bekommen.
Zudem beweisen sie just im Umgang mit dem Held oder Männern allgemein eine Selbstsicherheit, die ich eher von Frauen erwarte, die bereits ihre (Lebens)Erfahrung mit Männern gemacht haben.

Ist das denn jetzt wirklich so schlimm als Frauenbild?
Ja. Denn es ist in keinster Weise realistisch. Wie soll sich das ein Mädchen zum Vorbild nehmen? Klavierstunden, Schießübungen, Reitstunden, Nahkampf, Hausaufgaben und das Entschärfen eines thermonuklearen Sprengkopfs. Und die Frisur sitzt.
Das unterscheidet sich durch nichts von einem überzogenen Heldenklischee, dem man unmöglich gerecht werden kann, wie es Jungs auch heute noch vorgelegt bekommen.
Als Teenager hätte ich so ein cooles Mädchen übrigens gerne kennen gelernt. Dieses Klischee befriedigt also durchaus auch männliche Phantasien.

Dass es auch anders geht, beweist ein moderner Klassiker der Science-Fiction, Alien.
Ripley ist stark und selbstbewusst - und braucht in keinem der Filme einen Mann als Triebfeder oder Spiegelbild, um zu handeln.
Ich fand Ripley nie erotisch. Aber ich hatte stets einen Heidenrespekt vor ihr.

Unter dem Strich ist das moderne Heldinnen-Bild gegenüber Frauen so gesehen sogar respektloser als das ihrer Vorgängerin. Denn es gibt nur vor, Frauen in einem anderen Licht zu präsentieren.
Am Ende aber, nach all den ausgefochtenen Kämpfen, in denen sie ihren - Entschuldigung - Mann gestanden hat, erwartet man auch von ihr dann doch nur eines: dass sie sich vorbehaltlos dem Helden hingibt. Vielleicht noch mit einem kessen Spruch auf den Lippen vor dem Abspann. Aber das war's dann auch schon.

Diese ganzen Beobachtungen beziehen sich vor allem auf aktuelle Abenteuerfilme. Aber es kann nichts schaden, sie im Hinterkopf zu behalten, wenn man eine Geschichte schreibt. Oder liest.
Wenn eine taffe Heldin eingeführt wird, dann bitte eine mit einem nachvollziehbaren Hintergrund und Werdegang. Und eine, die selbstbewusst ist und dem Helden vielleicht sogar vorerst einen Korb gibt. Weil sie im Augenblick was Besseres zu tun hat und ihr eigenes Leben führen will.

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