Montag, 3. November 2014

Ein paar Gedanken zu Inspiration und Ideen

Eine der ersten Fragen, mit denen man als Kreativer – als Autor, Zeichner, Bildhauer, Musiker, Fotograf, … - gerne konfrontiert wird, ist: "Wie kommen Sie nur auf all die Ideen?".
Die Gegenfrage, die ich am liebsten stellen möchte, ist: "Wieso kommen Sie nicht darauf?"


Denn das, was einen Autor oder Zeichner auszeichnet, ist eine einzige kleine Fähigkeit:
In  dem, was uns umgibt, etwas zu entdecken, was andere offenbar nicht sehen.

Oder übersehen.
In etwas, das aber für alle Menschen gleichermaßen vorhanden und offen sichtbar ist. Was die eigene Kreativität auszeichnet, ist, das Potenzial in dieser Momentaufnahme zu erkennen. In diesem Geräusch, diesem Geruch, dieser Farbe. Je ungewöhnlicher diese Szene ist, desto leichter kann es einem fallen, den losen Faden aufzugreifen und weiterzuspinnen. Es können aber auch völlig alltägliche Begebenheiten sein.

Eine Gruppe steht zusammen, einer steht abseits.
Der Autor wird sich fragen, was für eine Geschichte dahinter steht. Was trennt den einen von den anderen? Was ist da passiert?
Der Zeichner (und auch ein Fotograf) wird die Konstellation sehen und die Dynamik, die Anordnung der Personen erfassen wollen. Licht-Schattenspiel, Gestik, Mimik.
Der Musiker wird die passenden Akkorde für jemanden suchen, der abseits steht. Und den Text, der es beschreibt.
Und viele andere werden vorbeilaufen. Und eine Gruppe sehen, die zusammensteht. Und, ja, stimmt, da steht einer abseits. Okay ich muss zum Bus. Blöde Ampel, werd' grün.

Phantasie und Kreativität ist nicht mehr als die Bereitschaft, in dem, was einen umgibt, etwas zu entdecken. Und dazu braucht es nur ein Talent: Neugier.
Kindliche, unstillbare Neugier. Den Impuls, hinter den ersten Eindruck zu blicken. Und mit dem Eindruck zu spielen, ihn zu erkunden und auszuloten, ihm Form zu geben und zu erweitern. Und vielleicht völlig neue Welten zu erschaffen. Oder eine Momentaufnahme, die nahe genug an der Realität verhaftet ist.

Das liegt in vielen Menschen nur brach. Sei es, dass es unterbunden wurde ("werd' erwachsen!") oder man es sich selbst versagt. Oder einen die unerbittliche Banalität des Alltags dazu zwingt, sich auf anderes zu konzentrieren.
Aber es ist vorhanden. Es wird nur nicht genutzt. Kreative haben sich diesen Impuls nicht nehmen lassen. Oder wieder für sich entdeckt. Vielleicht haben sie sich auch nur beharrlich genug geweigert, erwachsen zu werden …

Wir sehen Aspekte, die da sind.
Mehr ist es nicht.
Die für jeden sichtbar wären und für uns ersichtlich sind.

Wenn als das nächste Mal jemand fragt, wie man auf all die Ideen kommt – einfach an die Hand nehmen und zeigen, wie es geht.

Schreiben muss man den Roman dann immer noch. Oder das Bild zeichnen. Aber dafür haben wir den Handwerker in uns. Und das ist dann wieder ein ganz anderes Kapitel.

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