Mittwoch, 26. November 2014

Verlage und Bestseller-Kirschen

Ein Artikel im Buchreport berichtet über neue Vertragsabschlüsse mit Vorschüssen im siebenstelligen Bereich. Es geht hier wohlgemerkt um US-Verlage. In Deutschland kann eigentlich jeder Autor von so etwas nur träumen.

Eigentlich sehe ich das auch als "business as usual".
Solche Summen gab es für Autoren wie King oder Brown schon früher. Bei Einschätzungen (von Publisher's Weekly) wie "Andere sehen in den hohen Vorschüssen aber einen Beleg für einen Mangel an Talenten" geht mir allerdings der Kamm hoch.

Amazon hat interessanterweise so gar keine Probleme damit, fortlaufend neue Autoren aus dem Pool bei KDP zu ziehen. Auch etablierte Verlage habe inzwischen so gar keine Probleme damit, erfolgreiche Self Publisher unter Vertrag zu nehmen (die Taube in der Hand ...), was noch ein eigenes Blog-Thema ist.

US-Großverlage (und deren Titel machen ja auch auf dem deutschen Markt nach wie vor einen großen Anteil aus) dürften sich also tatsächlich auf die Kirsche auf dem Sahnehäubchen konzentrieren - und alles Geld in ihre Bestseller-Autoren stecken.

Was bedeutet das für Autoren aus der zweiten und dritten Reihe, der sogenannten Midlist?

Dass sie in Zukunft mit noch niedrigeren bzw. im schlimmsten Fall sogar mit gar keinen Vorschüssen mehr rechnen dürfen.
Für diese Autoren werden die etablierten Verlage unter dem Strich damit noch unattraktiver. Es sind ja in den USA schon seit Jahren gerade die unzufriedenen Midlist-Autoren mit durchaus soliden Verkaufszahlen, die sich von den Verlagen abwenden und sich auf Self-Publishing und Amazon umbesinnen.
Die Aussage, die die Großverlage damit tätigen, ist für die traditionelle Buchbranche beschämend. Ich kann nicht sagen, ob US-Verlage dasselbe Selbstverständnis haben wie deutsche - aber die Konzentration auf die wenigen Kirschen auf dem Sahnehäubchen hat mit der Wahrung eines Kulturguts nichts mehr zu tun.

Hier geht es nur noch knallhart um wirtschaftliche Interessen, nicht um Kultur.
Bloß keine Risiken eingehen, ja nur auf sichere Bänke setzen. Das ist für große Publikumsverlage kein neuer Ansatz; er wird aber zunehmend prägnanter.
Dass es abseits des Mainstream auch noch eine Reihe ambitionierter Kleinverlage gibt: unbenommen. Sie spielen nur in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle.

Mit dieser Entwicklung droht den großen Verlagen von Amazon tatsächlich eine Gefahr - die, neuen Talenten überhaupt einen Raum zu geben, ihnen zu ermöglichen, vom Verkauf ihrer Werke im besten Fall sogar zu leben.
Und sie, wenn sie erfolgreich sein (da geht Amazon eben keinen Deut unmoralischer oder verwerflicher vor als tradierte Verlage), vertraglich an das Unternehmen zu binden.

Dieses Bein hätten sich die Verlage dann allerdings selbst gestellt. Vorwerfen werden sie es dann vermutlich trotzdem Amazon. Das ist ja inzwischen ein antrainierter Beißreflex ...

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