Samstag, 20. Dezember 2014

Was Autoren aus den Änderungen bei Facebook ab 2015 machen können

Seit ein paar Wochen schwirren Gerüchte und Mutmaßungen im Internet herum, wie sich die angedachten Änderungen neben den neuen Nutzungsbedingungen ab 2015 auf Facebook gerade auch auf Autoren-Fanseiten auswirken werden.

Sicher ist, dass Facebook seine Nutzungsbedingungen ändern wird.
Sicher ist auch, dass Facebook Beiträge "abstrafen" will, die vor allem werbenden Charakter haben. Was grundsätzlich auch Buchvorstellungen oder -ankündigungen betreffen kann. Und das heißt vor allem, sie werden noch weniger Fans angezeigt als bisher – wenn das überhaupt noch möglich ist …

Darüber hinaus gibt es auf verschiedenen Seiten Spekulationen darüber, dass Facebook für diese Beiträge die Betreiber der Fanseiten auch zur Kasse bitten will. Handfeste Belege dafür gibt es keine.
Wobei ich es Facebook jederzeit zutraue, keine Frage.
Schließlich wollen die Aktionäre eine Dividende sehen. Und Facebook hat ja bereits die Reichweite von Beiträgen stark eingeschränkt und nervt einen pausenlos mit Hinweisen, dass man diesen oder jenen Beitrag doch so schön bewerben könne, um ihn noch reichweitiger zu machen.

(Einschub: das nervt übriges richtig, lieber Mark Z. Wer arbeitet eigentlich in deiner internen Marketingabteilung? Leute, die bei einer Schallplatte mit Sprung studiert haben?)

Wie sehr sich also nun die geänderten Nutzungsbedingungen auswirken werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass Facebook die organische Reichweite von Beiträgen weiter reduzieren wird und mehr Geld aus seinen kommerziellen Nutzern rausholen will.

Das ist schon seit geraumer Zeit festzustellen – und macht mit jeder Neuerung eines aufs Neue deutlich: es ist fahrlässig, sich allzu sehr auf ein Angebot zu konzentrieren, über das man nicht die größtmögliche Kontrolle hat.
Und die ist weder bei Facebook gegeben, noch bei Google+ oder Twitter. Auch nicht bei Blogspot von Google (ja, just da, wo dieser Artikel gerade erscheint ...)

Autoren sind also gut bzw. noch besser beraten, ab 2015 vielleicht doch wieder die "hauseigenen" Werkzeuge in Betracht zu ziehen und deutlich auszubauen.
  •  Eigene Homepage, am besten mit www.vorname-nachname.de. Nutzt man dafür ein CMS wie Wordpress oder Joomla lässt sich komfortabel auch folgendes umsetzen:
  • Ein eigenes Blog

Hat man eine eigene Seite, geht nach wie vor nichts über das klassische Medium der Mailingliste oder des Newsletters. Viele US-Autoren schwören darauf und bezeichnen es als ihr Marketing-Werkzeug Nummer eins.
Ich tue mich damit schwer, Leute für meinen Newsletter zu gewinnen. Natürlich gehen hier die Bekanntheit des Autors und die Bereitschaft von Lesern, einen weiteren Newsletter zu beziehen, Hand in Hand. Die, die ihn abonnieren, dürften an Nachrichten von mir tatsächlich interessiert sein.
Und diese Fans gelten nach wie vor als der beste Multiplikator, um neue Romane bekannt zu machen.

Etwas, was mir seit gut einem Jahr im Kopf rumgeht, ist auch etwas, das von US-Autoren viel häufiger eingesetzt wird:
  • Multiblogs: verschiedene Autoren eines Genres schließlich sich zusammen und bauen eine gemeinsame Plattform auf. Nichts Großes, vielleicht nur drei, vier Namen, die aber davon ausgehen können, dass ihre Leser auch an den Romanen der anderen Interesse haben. (Es geht inzwischen natürlich auch schon eine Nummer größer.)
    Nein, keine Angst. So klaut man sich nicht gegenseitig Leser. Leser lesen immer schneller, als wir schreiben können, und brauchen ständig Nachschub, den ein Autor alleine kaum leisten kann. Es entsteht eher ein Synergieeffekt, von dem alle Beteiligten etwas haben, einschließlich der Leser.
    Natürlich muss die Chemie der Autoren untereinander stimmen – aber wo ist das nicht so, wenn man zusammenarbeitet?

    (Nachtrag April 2015: Auf dem Self-Publishing-Day fiel auch das Stichwort von Autoren-Kooperativen. Das geht in dieselbe Richtung. Und wer gesehen hat, wie gut die Gemeinschaftsstände von Self-Publishern auf der Leipziger Buchmesse besucht waren, konnte diesen Synergieeffekt live erleben.)

Eine Regel lautet ja, man müsse als Autor dort sein, wo auch die Leser sind. Und viele davon sind natürlich auch bei Facebook zu finden.
Das ist schon richtig – aber andererseits sind mir bisher noch nie AutorInnen in der Fußgängerzone begegnet, die vor Buchhandlungen sitzen würden, um Leser abzufangen und ihnen ihre neuesten Werke lauthals anzupreisen.

Dafür sind soziale Netzwerke ja auch nicht gedacht, wovor in Tipps für Autoren immer wieder gewarnt wird. Nichts ist abtörnender als "Kauf! Mein! Buch!"-Beiträge, egal, wie hübsch sie verpackt sind.
Es gibt auf Facebook auch Autoren, die genau das beherzigen - und über alles Mögliche schreiben, was sie interessiert. Auch natürlich über den aktuellen Roman, an dem sie arbeiten. Aber sie posten keine Links zu Shops, bringen keine Hinweise auf Preisaktionen oder machen auf Facebook Gewinnspiele.
Diese Autoren werden von den Veränderungen 2015 wohl so gut wie nichts mitbekommen. Und dürften kaum an Reichweite einbüßen. Denn sie setzen auf den inhaltlichen Austausch mit den Fans.

Auf bzw. mit Facebook erreicht man ohnehin eher die echten Fans, weniger die "Nur-Leser".
Sollte es dann aber wiederum so schwer sein, seine Fans davon zu überzeugen bzw. dafür zu interessieren, sich über News auf der Autoren-Homepage oder im Blog zu informieren oder den Newsletter zu abonnieren? Ich denke nicht.
Und – auch wenn man immer schnell vergisst – vor Facebook ging es doch auch. Diskussionsforen gibt es nach wie vor, Themenportale ebenso. Soziale Netzwerke sind ein einfacher und bequemer Weg, seine Leser zu erreichen. Aber bei Weitem nicht der einzige oder der komfortabelste.

Sollten diese Änderungen auf Facebook also tatsächlich so übel und krass ausfallen wie befürchtet (und es wäre übel und krass), dann ist das die beste Gelegenheit, entweder seinen eigenen Auftritt auf Facebook zu überdenken oder sich über Alternativen Gedanken zu machen.

Alternativlos ist Facebook nämlich nicht.

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