Freitag, 9. Januar 2015

Was nichts kostet, merke ich mir nicht - von Lese- und Kaufentscheidungen

Verschiedene Artikel und Kolumnen (gerade in den USA) prognostizieren, dass 2015 ein härteres Jahr für Self-Publisher wird. Der große erste Schwung ist erst mal vorbei, die Zunahme bei Lesegeräten und damit Neukunden flacht ab.
Gleichzeitig nimmt aber die Zahl neuer Autoren und Autorinnen, die in diesen Markt drängen, eher noch zu. Ich hatte den Eindruck, dass mir 2014 in Foren so viele neue Namen wie schon lange nicht mehr untergekommen sind.


Es sind also immer mehr Self-Publisher-Titel verfügbar. Und da muss man sich als Autor schon fragen, wo man bleibt. Vor allem, wenn man es bisher nicht geschafft hat, sich oben zu platzieren.
Gibt es ein Hauen und Stechen? Vielleicht. Nein, eher unwahrscheinlich. Es wird in manchen Genres sicher gedrängter werden als in anderen - meiner Ansicht nach bei Liebesromanen und Thrillern. Aber für neue Geschichten ist immer Platz.

Denn nach wie vor gilt: Leser lesen immer schneller, als Autoren schreiben können.
Und gerade eBook-Leser sind Vielleser. Wie dramatisch sich also die Verkaufszahlen entwickeln, bleibt abzuwarten.

Eine Frage bleibt aber: wie finden mich Leser?
Und da habe ich mich über die Weihnachtstage selbst beobachten können. Als Leser, nicht als Autor.
Ich hatte endlich einen Star Wars-Roman fertig gelesen und bin an einem erfolgreichen SP-Romance-Titel hängen geblieben, dessen logische Schlaglöcher mir verstauchte Fingerknöchel eingebracht haben ...

Also wollte ich etwas Neues lesen.
Und was habe ich gemacht? Ich habe mir neue Titel bei Amazon gekauft. Obwohl ich in der Cloud über 500 Titel abgespeichert habe, die meisten von Self-Publishern. Viele davon sogar bekannte Namen. Und die meisten kostenlos, durch Select.

Es gab keinen Grund dazu, etwas zu kaufen, bei einem für die nächsten Jahre kaum ausschöpfbaren Fundus. Ich habe aber keinen von ihnen angerührt. Und ich habe mich gefragt, warum?

Die Antwort ist so verblüffend wie einfach: weil sie mich nichts gekostet haben.
Ich habe nie darüber nachgedacht, sie zu kaufen, ich habe mich nie mit den Romanen oder den Autoren auch nur ansatzweise intensiver beschäftigt.
Ich habe nie eine Verbindung zu ihnen aufgebaut.
Ich habe sie einfach nur heruntergeladen, weil sie verfügbar waren.

Stattdessen habe ich jetzt Geld für Romane ausgegeben, bei denen ich eine bewusste Kaufentscheidung getroffen habe.
An denen ich also ein bewusstes Interesse hatte und habe. Bei denen ich mich mit Cover und Klappentext beschäftigt habe. Und haben sie mich nicht angesprochen, habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Teils auch wegen des hohen Preises. Aber das führt mich nicht dazu, mir etwas Kostenloses zu suchen. Sondern halt etwas Günstigeres. Und das müssen nicht zwingend 99 Cent sein.

Das brachte mich über den Umweg als Leser wieder zu meiner Frage als Autor: wie finde ich Leser?
Sorgt mit Cover und Klappentext für einen ansprechenden Auftritt, der mich als Leser dazu bringt, in euch zu vertrauen und Geld für euch auszugeben. Überzeugt mit der Leseprobe. Wenn dann noch die Geschichte stimmt, gebe ich auch für den nächsten Roman Geld aus.

Ihr müsst euren Roman gar nicht verschenken oder verschleudern. Macht ihn einfach nur unwiderstehlich.

Kommentare:

  1. Interessant, dass es Dir auch so ergeht. Im Moment freue ich mich tierisch über jeden Kauf eines meiner Bücher, von dem ich nicht weiss, wie er zustande gekommen ist. Schreiben konnte ich lernen, publishen auch, das Cover lasse ich machen - aber wie, oh wie, komme ich zu den Lesern?
    Danke für den aufschlussreichen Beitrag. Ich werde weiter an der Unwiderstehlichkeit arbeiten. ;-)

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    1. Romane sind wie Süßigkeiten. Wenn es uns gelingt, bei den Lesern "Lust auf mehr" zu machen, dann habe wir eine Pralinenschachtel geschrieben. :)

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  2. Ein sehr wahrer Post. Ich habe einige kostenlose Ebooks auf dem Reader. Hin und wieder beginne ich einen, um dann festzustellen, dass das, was da kostenlos verscherbelt wird, meist nichts ist. Erst gestern habe ich mir gedacht, dass ich von den kostenlosen Romanen lieber gleich die Finger lassen sollte.

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    1. Ganz so würde ich das eBook nicht mit dem Bade ausschütten. :D
      AutorInnen sollten nur darauf achten, wie entscheidend LeserInnen der Wert dessen ist, was sie lesen - wörtlich und bildlich.
      Das lässt sich meiner Einschätzung nach nicht trennen.

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