Freitag, 27. Februar 2015

Allein als Mann unter Vampiren

Vor vier Wochen ist mein Urban Fantasy-Roman "Der Pakt der Nacht" (Amazon | ePub) erschienen. Und hält sich seitdem beständig in den Top 20 der Vampir-Romane bei Amazon.

Was mir sehr schnell aufgefallen ist: ich bin der einzige männliche Autor in dieser Liste.
Und ich habe mich gefragt, ob man als Mann inzwischen ein Exot ist, wenn man über Vampire schreibt.

Ein Exot vielleicht nicht, aber so wie es aussieht doch eine Ausnahme.
Sergej Lukjanenko zeigt mit seinen Wächter-Romanen, dass man sich auch als männlicher Autor durchaus sehr erfolgreich in der Urban Fantasy bewegen kann.
Lukjanenko ist wiederum russischer Autor - wie sieht es aber mit deutschen oder wenigstens anglo-amerikanischen Autoren aus?

Schaut man sich die Top 100 Vampire an, insgesamt (passend zum Genre) eher düster.
Mit Falko Rademacher (einem weiteren Berliner Autor) ist nur ein Mann auszumachen, geht man nach den Namen.
Es gibt mehrere mit Initialen, und dahinter könnten männliche Autoren stecken, die nicht als solche erkannt werden möchten.

Das wiederum war für mich von Anfang an kein Thema.

Cover Der Pakt der NachtVampir-Romane lassen sich sowohl in der Urban Fantasy wie in der Paranormal Romance finden. Die beiden Sub-Genres unterscheiden sich vor allem dadurch, ob sie den Schwerpunkt auf die Fantasy oder die Romantik legen.

Sie werden von einem großen Teil von Frauen geschrieben und von Frauen gelesen.
Der romantisch-erotische Bezug bei Vampiren ist ja eines der Schlüsselelemente dieser Wesen. Gerade auch in Kombination mit Werwölfen als Gegenspielern. Die Symbolik beider mystischer Wesen spricht bei dieser (wörtlichen wie bildlichen) Paarung eine klare Sprache.

Mir wäre es als männlicher Autor wie ein Etikettenschwindel vorgekommen, hier mit einem weiblichen Pseudonym mit Glück zu versuchen.
Ich kenne meinen Schreibstil gut genug. Ich kenne vor allem mich als Mensch gut genug. Ich bin ein unverbesserlicher Romantiker (was beim Schreiben durchaus hilft). Aber ich habe ganz klar eine männliche Sicht- und Denkweise. So zu tun, als sei ich eine Frau, wäre für mich unaufrichtig gewesen.

Ich schreibe einen Vampir-Roman anders. Ich will ihn ja auch ganz bewusst anders schreiben. Ich setze die Schwerpunkte anders. Ich beschreibe auch eine romantische Beziehung darin anders.
Das alles kann ich nur dann authentisch, wenn ich mich offen als männlicher Autor zu erkennen gebe. Und auch nur dann kann ich erwarten, dass gerade Leserinnen die Themen innerhalb des Romans und auch mich ernst nehmen.

Wie sehr sich das auswirken würde, darin hatte ich keine Erfahrung.
Der Roman hat bisher die mit Abstand höchste Rücklaufquote bei Amazon, die ich je hatte - wohl, weil ich bei manchen Leserinnen (verständlicherweise) nicht den Nerv treffe oder nach dem ersten Reinlesen die Erwartungen nicht erfülle.
Das konnte und das durfte gar nicht meine Absicht sein, die Leserinnen zu erreichen, die bei Vampiren vor allem Paranormal Romance lesen möchten.
Ich konnte nur hoffen, dass ich wiederum jene Frauen erreiche, die Vampir-Romane lesen wollen, die eben ruhig einmal etwas anders, nicht ganz so romantisch und vielleicht auch düsterer sein dürfen.

Cover Liliths BlutDie Rezension von Karin Futschik in ihrem Blog "Vampirjagd" war daher für mich eine Erleichterung und eine Bestätigung zugleich.

Als männlicher Autor ist man unter Vampiren eine Ausnahme - das heißt aber nicht, dass es da draußen nicht doch Leserinnen gibt, die sich ganz bewusst darauf einlassen. Oder sogar einlassen wollen.
Die es vielleicht nicht einmal interessiert, ob der Roman von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde - solange sie ihn unterhaltsam und spannend finden ...

Und das ist ja das Ziel, das ich als Autor verfolgte - bei Leserinnen und Lesern. :)

(oh, und, ja, der zweite Roman ist in Arbeit!)


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